Sie befinden sich hier: HOME » CLASSICS » ARTIKEL

CLASSICS

Mercedes Pagode: Ein Dach macht die Biege

Die „Pagode“ (W 113) fährt sich in die Herzen der Mercedes-Fans

Zügig in die Gänge

Bild: '009 - Mercedes-Benz, Oldtimer, Pagode, W 133, Klassiker, 230 SL.jpg'

Das Vierganggetriebe, ebenfalls aus dem Limousinen-Baukasten, ist lediglich im ersten Gang etwas kürzer ausgelegt, um eine sportlichere Beschleunigung zu erzielen. Die liegt bei 9,7 Sekunden für den Spurt von 0 auf 100 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit des Typ 230 SL mit Stoffdach beträgt 200 km/h. Die Variante mit optionalem Automatikgetriebe erreicht 195 km/h. Sie ist in den Augen von Sportwagen-Puristen nahezu unmoralisch.

Die Geschichte lehrt eine andere Lektion: Beim Auslaufen der „Pagode“ liegt der Automatik-Anteil bei rund 77 Prozent. Ähnliches gilt für die ebenfalls gegen Aufpreis erhältliche Servolenkung. Auch in dieser Hinsicht ist die Baureihe W 113 wegweisend. Denn alle nachfolgenden SL-Typen paaren stets ausgesprochen gute Fahrleistungen mit einem Höchstmaß an Komfort. Vom Typ 230 SL wird die beachtliche Zahl von 19.831 Wagen gebaut.

Mehr Hubraum für den Nachfolger

Bild: '008 - Mercedes-Benz, Oldtimer, Pagode, W 133, Klassiker, 230 SL.jpg'

Am 27. Februar 1967 wird der Öffentlichkeit der Mercedes-Benz 250 SL präsentiert, der den seit vier Jahren produzierten Typ 230 SL ablöst. Äußerlich ist der Neuling, dessen Serienfertigung bereits im Dezember 1966 begonnen hatte, von seinem Vorgänger nicht zu unterscheiden. Die Änderungen betreffen im Wesentlichen den Motor und die Bremsanlage, die beide, leicht modifiziert, vom Typ 250 SE (W 108 III) stammen. Der Motor M 129 III mit einem um 200 Kubikzentimeter vergrößerten Hubraum hat im Vergleich zum Typ 230 SL bei gleicher Leistung von 110 kW bei 5500/min ein um 10 Prozent höheres Drehmoment, bei einem flacheren Verlauf der Drehmomentkurve. Er ist nun, für einen bessere Laufkomfort, mit sieben Kurbelwellenlagern versehen, zudem mit einem Öl-Wasser-Wärmetauscher; erst der spätere Typ 280 SL wird einen Luft-Ölkühler erhalten.

Der Typ 250 SL fährt sich somit deutlich elastischer, erreicht aber aufgrund seines höheren Gewichts nicht ganz die Höchstgeschwindigkeit des Vorgängers. Sie beträgt mit dem Viergang-Schaltgetriebe je nach Hinterachsübersetzung (Standard: 1:3,92; auf Wunsch: 1:3,69) 195 km/h oder 200 km/h (Automatikgetriebe: 190 km/h oder 195 km/h). Mit Fünfgang-Schaltgetriebe ist er nur in einer Variante erhältlich (1: 4,08), die dann 200 km/h erzielt.

Gute Neuigkeiten

Bild: '014 - Mercedes-Benz, Oldtimer, Pagode, W 133, Klassiker, 230 SL.jpg'

Die Änderungen an der Bremsanlage umfassen Scheibenbremsen auch an den Hinterrädern, größere Bremsscheiben vorn sowie die Ausrüstung mit Bremskraftregler, um das Überbremsen der Hinterräder zu verhindern. Auf Wunsch gibt es neuerdings eine Differenzialsperre. Einen erweiterten Aktionsradius ermöglicht der vergrößerte Kraftstofftank mit einem Volumen von 82 Litern statt bisher 65 Liter Inhalt.

Neben den drei vom Typ 230 SL bekannten Karosserie-Ausführungen ist vom Typ 250 SL auf Wunsch als vierte Version ein Coupé mit Fondsitzbank lieferbar, das erstmals im März 1967 auf dem Genfer Salon gezeigt wird. Bei dieser sogenannten „California“-Ausführung hat man den für die hintere Sitzbank erforderlichen Raum durch Wegfall von Verdeck und Verdeckkasten gewonnen. Da eine Nachrüstung des Dachs nicht möglich ist, verspricht diese Variante nur in regenarmen Regionen oder mit aufgesetztem Coupédach ungetrübten Fahrspaß.

Bereits weniger als ein Jahr nach der Präsentation des Typ 250 SL ersetzt nach 5196 gebauten Exemplaren der Typ 280 SL das Fahrzeug. Abgesehen vom Typenschild unterscheidet er sich äußerlich nur an den geänderten Radzierblenden von seinen beiden Vorgängermodellen.

Sportliche Performance

Bild: '015 - Mercedes-Benz, Oldtimer, Pagode, W 133, Klassiker, 230 SL.jpg'

Im Zuge der Markteinführung der neuen Mittelklasse-Typen der Baureihe 114/115 erhalten nicht nur die Limousinen, Coupés und Cabriolets der Oberklasse, sondern auch der SL einen 2,8-Liter-Motor. Die im Typ 280 SL eingesetzte Motorvariante M 130 mobilisiert dank einer Nockenwelle mit geänderten Steuerzeiten 7,4 kW mehr als die Basisversion des Typ 280 SE und leistet 125 kW bei 5750/min. Gegenüber dem Typ 250 SL ist die Leistung um rund 15 kW und das Drehmoment um 10 Prozent gesteigert. Der Kühlerventilator ist erstmals mit einer Visko-Kupplung ausgestattet, welche die Drehzahl begrenzt. Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h liegt bei 9 Sekunden und die Höchstgeschwindigkeit wieder auf dem Niveau des Typ 230 SL, beträgt also in der Version mit Stoffdach 200 km/h. Sein auf einen weiter erhöhten Komfort ausgelegtes Fahrwerk zeigt sich weicher. Die Service-Intervalle betragen 10.000 anstelle von 3.000 Kilometer.

Erfolgszahlen

Bild: '012 - Mercedes-Benz, Oldtimer, Pagode, W 133, Klassiker, 230 SL.jpg'

23.885 Exemplare des schnellen und zuverlässigen Mercedes-Benz 280 SL laufen vom Band. Insgesamt entsteht in den Jahren 1963 bis 1971 die Zahl von 48.912 „Pagoden“ – beachtlich für einen Sportwagen mit derart hohem Anspruch. Heute machen ihre hohe Gesamtqualität, ihre Eleganz und klaren Linien die Baureihe W 113 zu einem begehrten Objekt. Bei Restauratoren und Mercedes-Fans.

GALERIE: MERCEDES PAGODE: EIN DACH MACHT DIE BIEGE

INFOS ZUM ARTIKEL

Kommentare: 0
Aktualisiert: Mittwoch, 25. August 2010

[Kommentar schreiben] Kommentare

NEU HOCHGELADENE BILDER

AKTUELLE KOMMENTARE