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CLASSICS

Mercedes Pagode: Ein Dach macht die Biege

Die „Pagode“ (W 113) fährt sich in die Herzen der Mercedes-Fans
Bild: '005 - Mercedes-Benz, Oldtimer, Pagode, W 133, Klassiker, 230 SL.jpg'

Es gibt fraglos viele gute Automobile, aber nur ganz wenige sind auserwählt, Kultstatus zu erlangen. Dies seltene Kunststück gelang dem W 113, dessen auffällig geschwungene Dachlinie ihm sogleich den Spitznamen „Pagode“ einbrachte. Schauplatz seiner vielbeachteten Weltpremiere war der Genfer Automobilsalon im März 1963. Dort präsentierte Daimler-Benz den Mercedes-Benz 230 SL und damit einen neuen Sportwagen, der gleich zwei Modelle des bisherigen Verkaufsprogramms – die Typen 190 SL und 300 SL - ersetzen sollte.

Die goldene Mitte

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Das neue Modell schlägt gewissermaßen einen Mittelweg zwischen den Konzepten des 190 SL und des 300 SL ein: Der Typ 230 SL, intern als Baureihe W 113 bezeichnet, ist weder ein kompromisslos harter Roadster noch ein sanftmütiger Boulevard-Sportwagen, sondern vielmehr ein komfortabler zweisitziger Reisewagen mit hohen Fahrleistungen und optimaler Fahrsicherheit. Lieferbar ist er vom Sommer 1963 an in drei Ausführungen: als offene Ausführung mit einem spielerisch leicht zu bedienenden Faltverdeck – eine kleine Sensation für sich –, als offene Version mit Hardtop und schließlich als Hardtop-Coupé. Dem Hardtop-Coupé fehlen Verdeck und Verdeckkasten, dafür gibt es mehr Platz für Gepäck. Alle drei Versionen lassen sich offen fahren. Auf Wunsch ist ein Quersitz im Fond erhältlich, wie bereits beim Typ 190 SL.

Sachlichkeit ist Trumpf

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Das Äußere des Typ 230 SL ist geprägt durch klare und gerade Linien sowie durch das unverkennbare SL-Gesicht samt dem n der Mitte prangendenzentralen Mercedes-Stern. Die Motorhaube hat in der Mitte eine leichte zusätzliche Wölbung, die dem aufrecht stehenden Sechszylindermotor Raum bietet. Sein Kofferraum ist großzügig bemessen. Das Hardtop vermittelt durch seine hohen Scheiben und das nur von schmalen Säulen getragene Dach eine Leichtigkeit, die so gar nicht dem Klischee eines Sportwagens entspricht. Es erinnert durch seinen nach innen gerichteten Schwung an fernöstliche Tempelbauten, und der Wagen hat seinen Namen weg, noch bevor er richtig auf die Straße kommt: „Pagode“. Zudem erleichtert das Hardtop, ebenfalls aufgrund seiner Formgebung, das Ein- und Aussteigen.

Technik in bester Tradition

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Abgesehen vom Radstand – den magischen Wert von 2400 Millimetern hat man unverändert von den Typen 190 SL und 300 SL übernommen – hat der neue SL praktisch keine Gemeinsamkeiten mit seinen beiden Vorgängern. Dennoch ist die Baureihe W 113 keine völlige Neukonstruktion, entspricht ihr technisches Konzept doch weitgehend dem Typ 220 SE (W 111/3); als zweisitziges Cabriolet der „Heckflossen“-Baureihe verwendet der SL beispielsweise deren Rahmen-Bodenanlage, freilich verkürzt und verstärkt, einschließlich Vorder- und Hinterradaufhängung.

Außer dem serienmäßigen Viergang-Schaltgetriebe ist, erstmals bei einem SL, auf Wunsch ein Viergang-Automatikgetriebe erhältlich. Als dritte Variante kommt im Mai 1966 ein von der Zahnradfabrik Friedrichshafen (ZF) bezogenes Fünfgang-Schaltgetriebe hinzu.

Fortschrittliches Sicherheitskonzept

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Die „Pagode“ ist der erste SL, bei dem sich zur Schnelligkeit die Sicherheit gesellt. Da seine Basis die Bodengruppe der berühmten „Heckflosse“ ist, der weltweit ersten Limousine mit Sicherheitskarosserie, hat auch dieser SL eine steife Fahrgastzelle und Knautschzonen in Form leicht verformbarer Front- und Hecksegmente. Diese Bauweise geht auf den Ingenieur Béla Barényi zurück, der für viele Sicherheitsmerkmale bei Fahrzeugen der Marke Mercedes-Benz sorgt.

Der Innenraum ist wie bei der Limousine „entschärft“, es gibt also keine harten Ecken und Kanten. Sicherheitsgurte sind, wie beim Vorgänger, als Sonderausstattung erhältlich. Das Lenkgetriebe ist aus dem crashgefährdeten Bereich vom Vorderwagen an die Stirnwand gerückt, die Lenksäule ist geknickt und besitzt zudem ein Gelenk, das den gefürchteten Lanzeneffekt bei einem Unfall verhindert. 1967 kommen die Sicherheits-Teleskoplenksäule und der Pralltopf im Lenkrad hinzu.

Sportliches Handling

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Das Fahrwerk, übernommen aus der Limousine vom Typ 220 SE, ist auf die Belange des sportlichen Autos abgestimmt. Es bietet eine Kugelumlauflenkung, ein Zweikreis-Bremssystem und Scheibenbremsen an der Vorderachse. Seine Federung ist straff, aber für einen Sportwagen fast untypisch komfortabel. Für die Dämpfung sorgen Gasdruck-Stoßdämpfer, und erstmals fährt ein SL auf Gürtelreifen.

Drehfreudiger Leistungsträger

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Der ebenfalls aus der Limousine stammende Sechszylinder muss einige einschneidende Änderungen über sich ergehen lassen, deren wichtigste der Übergang von der Zweistempel- zur Sechsstempel-Einspritzpumpe ist. Damit ist es möglich, den Kraftstoff direkt durch den vorgewärmten Ansaugkanal und die geöffneten Einlassventile in den Brennraum zu „schießen“ und nicht mehr nur in das Ansaugrohr. Der auf 2,3 Liter Hubraum aufgebohrte Motor (M 127 II) leistet so 110 kW bei 5500/min und bietet bei 4200/min ein Drehmoment von 20 mkg (196 Newtonmeter). Dieser sehr sportlich angelegte Antrieb des SL will fleißig gedreht werden, untertourige Drehzahlen sind nicht sein Fall.

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Aktualisiert: Mittwoch, 25. August 2010

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