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"Wir fahrn Papst": Heiligs Blechle!

Seit 80 Jahren liefert Mercedes-Benz "Dienstwagen" an den Papst
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Keine Frage: Jeder Automobilhersteller freut sich über prominente Kunden. Denn wenn sich Hollywood-Schauspieler, Sport-Stars oder Musik-Legenden hinter das Steuer einer bestimmten Marke klemmen, dann ist das Image-Werbung vom Feinsten. Doch es gibt Kunden, die sind einzigartig – wie der Papst. Seit 1930 genießt Mercedes-Benz das Privileg, "Dienstwagen" für seine Heiligkeit zu stellen – eine ehrenvolle und gleichzeitig herausfordernde Aufgabe. Denn so unterschiedlich die einzelnen Typen bisher waren, sie hatten stets eines gemeinsam: Es handelte sich um individuelle Einzelstücke.

1930: der „Rom-Wagen“ – Mercedes-Benz Typ Nürburg 460

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Der erste Papstwagen mit Stern war der Typ Nürburg 460. Mit ihrem mächtigen Reihenachtzylindermotor repräsentierte die Limousine den seinerzeit gültigen State of the Art im Automobilbau. Der „Rom-Wagen“, so die werksinterne Bezeichnung, erhielt gegenüber der Serie kaum technische Änderungen, umso hingebungsvoller widmete sich die Abteilung Sonderwagenbau im Werk Sindelfingen der Ausstattung. Das begann noch vergleichsweise harmlos mit handgefertigten schwarzen Ledersitzen für Fahrer und Beifahrer sowie mit Luftkissen gepolsterten Einzelsitzen im Fond. Auch konnte man den Vatikan davon überzeugen, statt des ursprünglich gewählten Kristall-Spiegelglases sichereres Kinonglas (Glasscheiben mit einer zwischengelagerten Folie) einzusetzen.

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Ab jetzt ging es wahrhaft fürstlich – oder besser gesagt päpstlich – weiter: Der amtierenden Pontifex, in diesem Fall Papst Pius XI. durfte auf einem mit feinstem Seidenbrokat bezogenen Thronsessel Platz nehmen. Über ihm wölbte sich ein Dachhimmel, der diese Bezeichnung ohne Einschränkungen verdiente: Das zentral angeordnete Motiv einer Taube wurde von Stickerinnen eines Benediktinerinnenklosters gefertigt. In direkter Reichweite seiner Heiligkeit befand sich außerdem ein Steuerpult mit dem der Papst seinem Chauffeur mitteilen konnte, wie schnell er wo anzukommen wünscht.

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Für die Übergabe an den Papst wurde der Typ Nürburg 460 nicht etwa auf einen Transporter verladen. Nein, er brachte die Strecke Stuttgart-Rom auf eigener Achse hinter sich. Papst Pius XI. nahm den Wagen direkt in Augenschein und startete dann zu einer längeren Spazierfahrt durch die vatikanischen Gärten. Sein anschließender Kommentar: „Ein Meisterwerk“.

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Nach seiner aktiven, rund 40000 Kilometer langen Laufbahn zog der „Rom-Wagen“ in das Museum des Vatikans ein. 1983 entschied man sich, die immer noch sehr gute Substanz durch eine professionelle Restaurierung zu erhalten bzw. zu verbessern. Dies geschah in der Mercedes-Museumswerkstatt in Fellbach. Im Herbst 1984 wurde der Nürburg 460 dann an den amtierenden Papst, Johannes Paul II., zurückübergeben. Der ließ sich, wie der „Erstbesitzer“ Pius XI., durch die Gärten des Vatikans chauffieren. Seither kann der Wagen wieder im vatikanischen „Museo delle Carrozze“ bewundert werden.

1960: der erste Landaulet – Mercedes-Benz Typ 300 d

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Dreißig Jahre nach der Übergabe des „Rom-Wagens“ sah man bei Mercedes-Benz den Zeitpunkt gekommen, um den Papst mit einem neuen Automobil zu beglücken. Wieder fiel die Wahl auf ein Modell der Oberklasse, nämlich den 300 d (W 189) mit verlängertem Radstand.

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Die augenfälligste Besonderheit des Wagens war seine Ausführung als Landaulet, also als Limousine mit festem Dach über den Frontsitzen und versenkbarem Verdeck im Fond. Sein serienmäßiger Drei-Liter-Sechszylinder beschleunigte den Wagen bei Bedarf bis auf 160 km/h. Doch in diese Geschwindigkeitsregionen sollte er kaum vorstoßen. Sein Revier war eher die repräsentative Schrittgeschwindigkeit, die es Papst Johannes XXIII. erlaubte, sich den Gläubigen in aller Ruhe zu zeigen. Zu diesem Zweck konnte nicht nur dass Verdeck zurückgeklappt werden. Es war außerdem möglich, die hinteren Seitenscheiben heraus zu nehmen und in einer eigens dafür geschaffenen Halterung im Kofferraum zu verwahren. Stabile Griffe an der Zwischenwand zu den Vordersitzen gaben dem Papst Halt, wenn er während der Fahrt stehend den Segen erteilte.

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Aber auch im Sitzen war der 300 d ein Segen – zumindest für den Pontifex. Er durfte, wie schon im „Rom-Wagen“, auf einem speziellen Thronsessel sitzen, der sich elektrisch verstellen ließ. Seine Begleitung musste mit zwei einfachen Klappsitzen an der Trennwand vorlieb nehmen. Bei der Kommunikation mit dem Chauffeur zeigte sich der technische Fortschritt: Wo vor 30 Jahren noch ein (sehr nobles) mechanisches Schaltpult zum Einsatz kam, stand dem Papst ein Sprechfunk zur Verfügung. Des weiteren konnte er von seinem Thron aus die Klimaanlage steuern. Stoppte der Wagen, fuhren beim Öffnen der hinteren Türen automatisch Trittbretter aus dem Wagenboden, um dem Papst das Ein- und Aussteigen zu erleichtern.

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Auch Papst Johannes XXIII. unterzog seine neue Dienstkarosse direkt bei der Übergabe einer kurzen Erprobungsfahrt. Die führte durch den Damasushof des Vatikans und endete mit einem Lob des Papstes: Er bedankte sich bei der Mercedes-Abordnung für die vorbildliche Umsetzung seiner Wünsche.

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Aktualisiert: Donnerstag, 19. August 2010

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