STERNSTUNDE
Mercedes in HO: Die S-Klasse im Kleinen!
mercedes Modellautos - Wiking und der gute Stern: die Mercedes S-Klasse im Maßstab 1:87//Text und Bilder von Gregor Gerlach
Eine Sternstunde im Kleinen? Na klar, warum auch nicht? Und zwar im Wortsinne. Denn die Liebe zur Marke drückt sich nicht selten auch in der Begeisterung zum Modell aus! Wobei von der Größe des Modells aber nicht auf die Größe der Begeisterung geschlossen werden sollte. Das steht in keinem Zusammenhang, wie sicherlich nicht nur Gregor Gerlach bestätigen kann. Der Mercedes-Fan sammelt Wiking-Autos und das bevorzugt mit dem guten Stern!
Gregor Gerlach ist nicht nur Wiking-Sammler, er betreibt auch die einzige Website im Internet, die sich ausschließlich mit dem Thema die "Mercedes Modelle von Wiking" befasst. W126-Fahrer Gerlach beschreibt die Geschichte der S-Klasse aus Sicht der Wiking-Modelle.
Der Anfang der Wiking-Geschichte
Mitte der dreißiger Jahre des vorigen Jahrhunderts wurde in Berlin die Firma Wiking gegründet. Nach Ausflügen in die Biologie und Literatur widmete sich der Gründer Friedrich Karl Peltzer hier seiner Leidenschaft, Wasserlinien-Modelle von Schiffen zu bauen.
Zunächst aus Holz und als Einzelanfertigungen wurden recht schnell Gusstechniken erprobt, um eine Massenproduktion aufnehmen zu können.
Die Abbildung zeigt den deutschen Schnelldampfer Bremen in Metallguss (1:1250), der in dieser Form um das Jahr 1938 hergestellt wurde. Dieses traumhaft schöne Modell war für die damalige Zeit ein Meisterstück.
Noch ohne Scheibe: die ersten Wiking-Mercedes kommen 1954
Die im Bild gezeigten Modelle sind die ersten Wiking-Mercedes aus dem Jahre 1954.
Die Gusstechnik wurde immer weiter verfeinert, die Modelle immer detaillierter und bald wurde die Marine auf das Unternehmen aufmerksam. Die brauchten zu dieser Zeit jede Menge Schiffs- und andere Modelle für ihre "Sandkastenspiele".
So waren Nachbildungen von Schiffen (1:1250), Flug- und Fahrzeugen (1:200) für die verschiedenen Waffengattungen bis Kriegsende das Hauptstandbein der Firma.
Durch die Rohstoffknappheit seit Anfang der vierziger Jahre begann Wiking mit den damals neuen Kunststoffen zu experimentieren und konnte auf diesem Gebiet schon bald erste Erfolge vorweisen.
Einige der Hand-Spritzmaschinen für Kunststoffe wurden in die Nachkriegszeit gerettet, mit ihnen wurde Ende der vierziger Jahre die Produktion wieder aufgenommen. Aufgrund des Materialmangels wurden die Lagerbestände an Schiffen und Flugzeugen wieder eingeschmolzen und zu Knöpfen und Kämmen umgearbeitet. So war die Zeit.
Anfang der fünfziger Jahre wurde versucht, wieder an die Vorkriegsproduktion anzuknüpfen, allerdings waren Schiffs- und Flugzeugmodelle zu dieser Zeit recht wenig gefragt.
Der bei Wiking angestellte Formenbauer und Modellbaumeister Kedzierski experimentierte mit eigenen Entwürfen von Modellautos, so verließen die ersten Verkehrsmodelle die Pressen. Es handelte sich dabei um Phantasie-Modelle in ungefähr 1:90.
Der bekennende Schiffsliebhaber Peltzer soll anfangs wenig angetan von der Eigenmächtigkeit seines Angestellten gewesen sein. Dennoch willigte er aufgrund fehlender anderer Perspektiven in den Versuch ein. Und die Automodelle gingen weg wie geschnittenes Brot.
Das war der Anfang dessen, was vielen Kindern zwischen 6 und 99 Jahren noch heute Glanz in die Augen zaubert. Die Wiking Verkehrsmodelle waren geboren!
"Meine Wiking-Geschichte!"
Natürlich bin ich wie viele andere auch mit Wiking-Modellen aufgewachsen. Selbst als Kind war mir schon klar, dass diese kleinen Kunststoff-Modelle etwas Besonderes sind. Dagegen war alles andere nur Spielzeug ;-) .
Automodelle sind Träume. Sie künden von Mobilität und lassen den Glanz des Originals auch in den kleinsten Hütten scheinen. Und wenn man Glück hat, werden sie wahr.
Ich musste bis zu meinem 22sten Geburtstag warten, bevor ich in meinem ersten eigenen Mercedes-Benz Platz nehmen konnte. Es war ein damals schon uralter 200D der Baureihe 110 und runter bis auf den Straßenbelag. Aber es war ein Mercedes! Mein erster Mercedes!!!
Aus Gründen, die mir bis heute schleierhaft sind, habe ich kurz danach alle Wiking-MB aus der Grabbelkiste gepuhlt, in die unsere Mutter sie nach dem Ende der Modelleisenbahn verstaut hatte.
Auf dem Bild sind genau diese Modelle zu sehen. Die silberne Schnauze des 220 ist nicht serienmässig, die hat mein Vater damals drangemalt. Mit Ofenbronze!
Das war der Beginn meiner Sammelleidenschaft und ist nun gut 35 Jahre her. Seitdem hat sich viel geändert, auch meine Mobilität wird nur noch zum Teil von Daimler-Produkten sichergestellt.
Aber die Wiking-Daimlerchen sind mir bis heute geblieben. Meine Sammlung umfasst heute ca. 450 PKW-Modelle (ohne Taxen und Blaulichter), ein paar von Ihnen stelle ich gerne persönlich vor.
Die S-Klasse bei Wiking: große Klasse im Maßstab 1:87
So gut die Aufnahmen der Modelle auch sind, nie können sie wirklich das Flair der Wiking-Modelle einfangen. Der Charme eines solchen recht kleinen Modells offenbart sich auf dem Schreibtisch oder in der Hand. Die zierlichen Modelle leben, die Fotos nicht.
Das erste von Wiking produzierte "Daimlerchen" war 1953 der 220 (W187).
Ich kenne den genauen Stand der Diskussion nicht und will mich auch nicht einmischen, aber dieses Modell ist für mich die erste S-Klasse. Der Wagen zeigt als Erster die für Jahrzehnte typische Bauform, die verlängerte Front zur Aufnahme der größeren Motoren.
Der zeitnah ebenfalls bei Wiking erschienene 300er spielte damals eher in der Maybach-Klasse und war im Straßenbild ähnlich häufig vertreten.
Wie im Großen auch spiegeln die von Wiking produzierten Modelle der S-Klasse die technischen Möglichkeiten der jeweiligen Epoche wieder. Die S-Klasse hat automobile Geschichte geschrieben, die "Daimlerchen" Modellbau-Geschichte.
Es macht niemanden trauriger als mich, dass diese gemeinsame Geschichte von Mercedes-Benz und Wiking mit dem Wagen 220 ein vorläufiges Ende fand.
Freuen wir uns also bis auf weiteres an dem, was wir haben und träumen weiter von dem, was wir gerne hätten
Mercedes-Benz 220 (Wagen 187)- der Unverglaste!
Dies ist der erste MB, der von Wiking seit 1954 produziert wurde. Es handelt sich um ein sogenanntes unverglastes Modell, warum das so ist, erkennt man recht einfach. Die ersten dieser Modelle wurden noch mit einer weißen Bodenplatte gefertigt, die später gegen eine silberne ausgetauscht wurde. Das Modell ist ein ganz kleines bisschen größer als 1:87.
Die Spritzform war noch recht einfach, die Außenform wohl einteilig. Das ist recht gut an den oberen Fensterrahmen zu erkennen, die tatsächlich kaum ausgebildet sind. Eine echte Kontur wäre mit einer solchen einteiligen Form nicht möglich gewesen, man hätte das fertige Modell nicht mehr aus der Form heraus bekommen.
Wiking wäre nicht Wiking, hätte man sich mit der ersten Form zufrieden gegeben. Im Laufe der Produktion wurden mehrfach Änderungen vorgenommen. Der Kühlergrill wurde strukturiert, später dann das auf der rechten Seite etwas kurz geratene Trittbrett besser an das Original angepasst. Der geneigte Sammler unterscheidet bei diesem Modell insgesamt vier Varianten.
Im Gegensatz zu dem Original sind die Modelle (bis auf die erste und die letzte Serie) weder rar noch preislich sonderlich ambitioniert bewertet. Diese Daimlerchen sind noch echtes Spielzeug und fast unkaputtbar ;-)
Mercedes-Benz 220 (Wagen 180): Ein Ponton aus Plastik
Die ersten selbsttragenden Karossen zogen bei Wiking in Form des Wagen 120 im Jahr 1956 als unverglaster MB 180 ein. Auf den Wagen 180 musste der Liebhaber noch bis 1958 warten. Aber das hat sich gelohnt, denn es erschien als erstes das groß wie klein bildhübsche Cabriolet. Und es markiert den Beginn einer neuen Zeit, begrüßen wir das erste verglaste "Daimlerchen"!
So wie die Ponton-Karosse einen Meilenstein in der Automobil-Geschichte setzt, tut es auch das neue Wiking-Modell. Neu ist die Verglasung (wenn auch hier nur die Frontscheibe), der als Einzelteil gefertigte Kühler sowie die ebenfalls aus weiteren Einzelteilen bestehende Innenausstattung. So stieg neben dem Arbeitsaufwand natürlich auch der Reiz des Modells beträchtlich. Daneben wurden auch die Räder gegenüber dem Vormodell überarbeitet und zeigen nun Profil.
1959 wurde die Modellpalette bei Wiking dann um das Coupe und die Limousine erweitert. Das Coupe basierte auf dem Modell des Cabriolets, welches mit einem separaten Dach versehen wurde. Hier kann der geneigte Leser auch erkennen, dass mit dieser damals neuen Technik noch experimentiert wurde. So fehlen dort die A-Säulen, wie bei einigen anderen Wiking-Modellen aus dieser Zeit auch.
Die Limousine hat schon eine etwas modernere Form mit sämtlichen Säulen, die nicht nur für die damalige Zeit höchst filigran waren. Und als Krönung ist der Viertürer das erste Wiking-Modell mit Stern.
Der Stern war so fein gearbeitet, dass er ziemlich schnell abbrach. Aber immerhin war er nun endlich da und gefiel wohl so gut, dass dieser Kühler wenig später auch für Cabrio und Coupe Verwendung fand.
Seit dieser Zeit trennt eben dieser Stern im Modellbereich A- und B-Ware.
Ist er dran, ist das Modell fast immer in einem Top-Zustand und dementsprechend teuer
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Kommentare: 2
Aktualisiert: Donnerstag, 01. Juli 2010
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stardust » Robert aus Essen (52)
Also ich habe als Junge ein paar von solchen Modellen auch gehabt und ich staune, was heute auf ebay dafür so bezahlt wird. ist der Preis eigentlich abhängig von der Farbe?