STERNSTUNDE
Meilensteine der Sicherheit
Die Geschichte der Experimental-Sicherheits-Fahrzeuge (ESF) bei Mercedes-Benz - oder auch Assistenzsysteme haben mal klein angefangen!
Als von Assistenzsystemen und kleinen faulen Engelchen noch nicht die Rede war, haben sich die Vorreiter der Mercedes-Sicherheitsforschung dennoch bereits Gedanken über ein sicheres Ankommen gemacht. Mercedes-Fans.de wirft einen Blick zurück auf die ersten ESF Experimental Sicherheits Fahrzeuge.
Wer anlässlich des neuen Experimental-Sicherheits-Fahrzeugs ESF 2009 beim Daimler in Möhringen in der Crashhalle war, der entdeckte da auch eine orange-lackierte große Heckflosse! Oder besser gefragt eine Crash-Flosse? Nein, das ist nicht etwa ein Überlebender, der die Tests hier unbeschadet überstanden hat, sondern wenn Sie so
wollen eine Replika zeitgenössischer Crash-Fahrzeuge", so der Leiter der Mercedes-Sicherheitsabteilung Ulrich Mellinghof. Aber die dort ebenfalls geparkten S-Klassen, das waren nicht wirklich S-Klassen, sondern tatsächlich echte Meilensteine der Mercedes-Benz-Sicherheitsforschung.
Nun lag deren Aufgabe und Los nicht darin an irgendeiner Betonwand zu zerschellen.
Vielmehr sollten sie damals aktuelle und kommende Sicherheitseinrichtungen demonstrieren und den Weg für Sicherheits-Innovationen wie ABS, Gurtstraffer und
Gurtkraftbegrenzer, Airbag und Seitenaufprallschutz ebnen.
In den 60er-Jahren waren die negativen Folgen der Massenmotorisierung nicht mehr zu verkennen. Immer mehr Menschen starben auf den Straßen. Die US-amerikanische Verkehrsbehörde (DOT) startete daher 1968 ein Programm
zur Entwicklung von Experimental-Sicherheits-Fahrzeugen und initiierte die internationale "Technical Conference on the Enhanced Safety of Vehicles" (ESV - Technische Konferenz für verbesserte Sicherheit von Fahrzeugen).
1970 wurden die ersten Anforderungen definiert, die von
Experimental-Sicherheits-Fahrzeugen erfüllt werden sollten. Dazu gehörten ein überaus anspruchsvoller Front- und Heckaufprall auf eine starre Barriere mit 80 km/h
und ein Seitenaufprall auf einen Mast mit 20 km/h. Die Versuchsträger sollten aber auch kleinere Unfälle mit 16 km/h ohne bleibende Verformungen an Front und Heck
überstehen. Außerdem glaubte man, den amerikanischen Verbrauchern das aktive Anlegen von Sicherheitsgurten nicht zumuten zu können, daher waren automatische Gurtsysteme vorgesehen, die sich selbsttätig nach dem Schließen der Türen um die Frontpassagiere legten. Schrecklich! Glücklicherweise wurde dieser "Gurt-Anlege-Assistent" (siehe Bild links) bald wieder zu den Akten gelegt!
Bei Mercedes-Benz wurde die Herausforderung, Fahrzeuge noch sicherer zu konstruieren, mit Begeisterung aufgenommen. Schließlich konnte man zu dieser Zeit
schon auf mehr als 20 Jahre kontinuierlicher Sicherheitsforschung zurückblicken. Und rund zehn Jahre zuvor, 1959, war die entscheidende Grundlage für alle künftigen Sicherheitsentwicklungen bei der Marke mit dem Stern bereits in Serie gegangen: Die Sicherheitskarosserie mit Aufprallenergie verzehrenden Knautschzonen vorn und hinten
und einer stabilen Fahrgastzelle dazwischen.
Die Sicherheitsforschung nimmt Methode an!
Ab Frühjahr 1971 kam das Projekt ESV in der 1969 als eigenständige Abteilung gegründeten Sicherheitsforschung bei Mercedes-Benz in Sindelfingen ins Rollen.
Insgesamt wurden in den folgenden vier Jahren 35 Fahrzeuge aufgebaut und erprobt.
Der erste Test fand am 12. März 1971 mit einem W114-Serienwagen, also der damaligen
Mittelklasse-Baureihe, statt: Er wurde bei einem Frontalaufprall mit 80 km/h gegen eine feststehende Wand geprüft. Zu den Crashversuchen gehörten unter anderem Front- und Heckaufprall-Versuche, Seitenaufpralltests gegen Masten und mit anderen Fahrzeugen, aber auch Falltests aus 0,5 Meter Höhe.
Doch nicht nur der Schutz der Insassen bei einem Unfall durch entsprechend optimierte Fahrzeugstrukturen und neuartige Rückhaltesysteme stand im Fokus der Entwickler. Auch vor fast vierzig Jahren galt schon der für Mercedes-Benz bis heute
typische ganzheitliche Sicherheitsansatz. Zur Äußeren
Sicherheit zum Schutz von Fußgängern und Zweiradfahrern besitzt das ESF 13 Front- und Heckstoßfänger mit geschäumten Seitenteilen, Regenleisten aus Gummi und abgerundete Türgriffe. Auch an die Feuersicherheit wurde gedacht: Kraftstoffbehälter über der Hinterachse mit großem Abstand zur Auspuffanlage, durch eine vom Motoröldruck abhängige Vorrichtung wird die Kraftstoffförderpumpe still gelegt, ein Ventilsystem verhindert das Auslaufen von Kraftstoff bei anomaler
Fahrzeuglage, die im Innenraum verwendeten Materialien sind schwer entflammbar und ein Feuerlöscher ist griffgünstig unten vorn am Fahrersitz montiert.
Sicherheit zählte mittlerweile selbstverständlich zum Entwicklungsumfang neuer Autos, in rascher Folge flossen die im Rahmen des ESF erstmals umgesetzten Ideen in
die Serie ein. Meilensteine dafür waren unter anderem:
1978: ABS geht in Serie
1980: Weltpremiere von Fahrerairbag und Gurtstraffer
1995: Gurtkraftbegrenzer und Seitenairbags gehen in Serie
GALERIE: MEILENSTEINE DER SICHERHEIT
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Aktualisiert: Montag, 22. Juni 2009
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