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AUTO DER WOCHE

Schrott wird flott: 1939 Mercedes Benz 170 V Hot Rod mit V8 Power

Das nackte Grauen oder schlichtweg genial? Mercedes Benz 170 V der besonderen Art: Mercedes-Klassik trifft auf US-Car Kultur
Bild: '109_ mercedes fans hot rod 1939 170 v.jpg'

Dieses Gefährt war eines der Hingucker bei den SCHÖNEN STERNEN 2010 und Freunde der reinen Lehre legen besser schon mal ihre Herztropfen parat. Ein augenscheinlich flugs "zusammengebratener" Mercedes 170 V - und dann noch mit nicht originalgetreuem Motor! Da sollte auch dem tolerantesten Mercedes-Fan die Hutschnur hochgehen. Doch weit gefehlt: Hier lesen Sie, warum dieser Mercedes Klassiker auf der Bühne Riesenapplaus einheimste und warum sein Erschaffer letztlich nicht gesteinigt wurde!

Das mit dem "nackten Grauen" hat durchaus seine Berechtigung. Denn Farbe sucht der Betrachter auf dem Blech des 170 V fast vergebens. Und das nicht ohne Grund. Denn dieser Mercedes V präsentiert sich in einem fahrzeugstil, der in Europa nur den wenigsten geläufig ist. Diese vermeintliche "Schrottkarre" ist auf ihre Art und weise nämlich auch Kulturgut und verkehrssicher ist sie übrigens auch!

Der Opa des "Tunings" heißt "Hot Rodding"

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Das eigene Fahrzeug zu individualisieren und nach den eigenen Vorstellungen zu verändern, wird heute generell als "Tuning" bezeichnet. Der Opa des Tunings aber hieß "Hot Rodding" und hat seinen Ursprung noch in den 40er Jahren, als junge Amerikaner Spaß am Speed entdeckten, aber die Kriegs- bzw. die Nachkriegssituation noch kine Hobby-Industrie zuließ. Aber dank Fords Massenmotorisierung gab es genügend Autos, die obendrein nicht teuer waren. Erst recht nicht als die Auto-Industrie in den Fünfzigern wieder anzog. Und so wuchteten junge Amis schwere Motoren in leichte Autos und "erfanden" das Hot Rodding. Optik war damals (fast) Nebensache, denn es ging natürlich auch darum, den Neuwagen zu zeigen, was eine Harke ist. Die mit Flammen-Design und Chromfelgen verschönerten Rods & Customs sollten erst viel später folgen.

Ingo Recktenwald aus Dortmund ist ein Fan des ursprünglichen Hot Roddings. Auch er wollte einen Hot Rod bauen, der seinen Vorstellungen entspricht. Er griff allerdings nicht - wie viele andere in diesem Genre - zum amerikanischen Blech, sondern machte sich auf die Suche nach einem Mercedes der passenden Ära.

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Rund 70.000 Exemplare des Mercedes 170 V wurden zwischen 1936 bis 1942 in den verschiedenen Karosserievarianten produziert, als zwei – und viertürige Limousine sowie als viertürige Cabrio-Limousine. Die beiden Viertürer wurden auch als „Kraftdroschke“ mit Trennscheibe und Kofferbrücke am Heck geliefert. Dazu gab es zwei- und viertürige offene Tourenwagen, das zweisitzige Cabriolet A und das zweitürige, viersitzige Cabriolet B, sowie die unterschiedlichsten Sonderfahrzeuge für Feuerwehr, Polizei, als Lieferwagen oder mit Pritsche. In seiner Vielfalt fast schon ein "Volks-Wagen" und somit ideal für Ingos Vorhaben.

Schrott wird flott

Bild: '136_ mercedes fans hot rod 1939 170 v.jpg'

Die Bilder muss man gesehen haben. Am besten in GROß! Kein Problem - einfach anklicken!

Da der selbstständige KFZ-Technik Meister (www.Autoservice-Recktenwald.de) durchaus auch ein Faible für die Marke mit dem Stern hat, lag es nehe einen alten Benz für das Hot Rod-Projekt zu suchen. „Ich wollte einen Hot Rod bauen, aber es sollte ein Mercedes sein, um zu zeigen, dass sowas genauso gut mit einem deutschen Auto geht“, sagt der Westfale. "Aber keine Sorge, hier wurde nicht etwa ein erhaltenswerter Mercedes-Benz geschlachtet, ganz im Gegenteil!"
In einem Anzeigenblättchen wurde Ingo fündig und nach Besichtigung des in grauenhaftem Zustand in einer Scheune wartenden 170 V, war die Basis geschaffen.

Ingos Rod - ein echter Daimler-Chrysler

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Erinnern Sie sich noch? Daimler-Chrysler? Eine Episode, die den Amerikanern mit dem Chrysler 300, Dodge Magnum
und Ddoge Ram richtig gute Autos einbrachte. Auch Ingos Mercedes-Rod ist ein Daimler-Chrysler - irgendwie:
„Es ging darum, unbedingt einen V8 einzubauen, außerdem wollte ich ein Schaltgetriebe“ betont Ingo. Fündig geworden ist er im MoPar Portfolio in Form eines 5,9-Liter-V8, die Getriebe-Entscheidung fiel auf ein A833 Viergang-Schaltgetriebe mit Hurst Shifter. MoPar? Ja, das ist die hauseigene "Tuning-Abteilung" des Chrysler-Konzerns. Hier kommen die heißen Motoren für alle Arten des US-Rennsports her. „Der Wagen ist total übermotorisiert“, freut sich der KFZ-Meister. Und damit steht die olle Kiste aber sowas von voll in der Hot Rod-Tradition....

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Aktualisiert: Mittwoch, 27. Oktober 2010

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