AUTO DER WOCHE
Mercedes Benz 300 "SLS": Leichte Kost?
Zwei SLS-Exemplare hat Mercedes-Benz gebaut – das ist der Dritte!
Das war schon ein merkwürdiges Bild, was sich dem Betrachter bei den Mercedes-Race Days in Oschersleben bot. Beim freien Training tummelte sich mitten bei der Musik zwischen 2.3-16V und AMG-Geräten ein 300 SL. Augenscheinlich nicht fertig restauriert. Das „Blech“ war unlackiert, zeugte noch von Schleifspuren und die Windschutzscheibe war auch noch nicht montiert.
Es stellte sich die Frage: Was wird so ein 300 SL im Renntrim unter der Haube haben? 220, 230 PS? Hinten Pendelachse und rundum Trommelbremsen? Und trotzdem ganz dicht dran an den modernen Sternen? Respekt, der Pilot, Falk Weindler aus Kempten, kann fahren. Gut, dieser gab hinterher bescheiden zu Protokoll, das alles nicht mehr so ganz mitbekommen zu haben, weil Benzin ausgetreten und in den Fußraum getropft war. Was? Wie bitte? So, besser wir drücken jetzt mal auf den Knopf „Rückspulen!“ und fangen noch mal von vorne an!
Falk Weindlers Alu-SLS-Replika ist ganz nah an den verschollenen Originalen!
Au backe – ein Zahnarzt greift an!
Der Zahnarzt Paul O'Shea orderte den SLS, um in der S.C.C.A. zum dritten Mal in Folge die Meisterschaft zu gewinnen
1955 und 1956 gab es in den USA einen motorsport-begeisterten Zahnarzt, der in der populären Sportwagen-Rennserie des S.C.C.A. (Sports Car Club of America) so etwas wie ein inoffizieller Mercedes-Werksfahrer war und zur Freude von Daimler-Benz of America wusste sich dieser Paul O'Shea gegen Porsche, Jaguar, Aston Martin und Corvette durchzusetzen. Das Ergebnis waren zwei Titel in der S.C.C.A.-Meisterschaft, was für die Popularität der Marke Mercedes-Benz sicher von Vorteil war. Denn damals galt noch uneingeschränkt: „Win on Sunday, sell on Monday!“
Nur zeigte sich bereits im Laufe der Saison 1956, dass der Mercedes 300 SL– wollte er konkurrenzfähig bleiben – gewichtsmäßig abspecken musste. Und so erging am 21.12.1956 an die Mercedes-Benz Entwicklungsabteilung der Auftrag, zwei Renn-SL zu bauen. Und zwar zwei ganz spezielle Renn-SL! Diese beiden Autos erhielten alsbald die Bezeichnung 300 SLS, wobei davon auszugehen ist, dass diese Buchstabenkombination für „Sport Light Special“ steht.
Loch an Loch - und hält doch! Auch hier orientierten sich Weindler und Kleissl an Original-Aufzeichnungen!
Die beiden für Paul O'Shea gebauten Fahrzeuge waren optisch bis auf kleinere Details identisch. Ein Exemplar entstand auf einem bereits bestehenden Versuchs-Roadster, der dafür allerdings komplett gestrippt und nach den geforderten Spezifikationen neu aufgebaut wurde. Das andere Modell entstand komplett neu. Die große Besonderheit dieser O'Shea-Zwillinge war ihre komplette Alu-Karosse. Anstelle einer strömungsungünstigen und schweren Frontscheibe beschränkten sich die SLS-Roadster mit einer niedrigeren Plexi-Rennscheibe.
Zur Alu-Karosse gesellte sich gewichtsmindernde Feinarbeit bei den Bremsen und beim Motor. So gelang es den Mercedes-Technikern z.B. durch Verwendung von Alu-Bremszylindern bei den Bremsen 5,3 kg einzusparen, der Renn-Reihensechszylinder mit Alu-Block und Alu-Köpfen wog rund 61 kg weniger als die Serie. Und ein auf die Hälfte des Volumens reduzierter Wasserbehälter brachte auch noch das ein oder andere Pfund. Insgesamt war der SLS exakt 337 kg leichter als ein herkömmlicher SL und blieb ohne Sprit unter 920 kg. Wer jetzt in Betracht zieht, dass zu dem reduzierten Gewicht, ein für den Einsatzzweck optimierter Motor ins Spiel kommt, der kann sich sicher vorstellen, dass so ein SLS ganz gut gehen müsste.
Unter der seriennahen Optik versteckte sich ein hochmodifiziertes Modell!
Das Erscheinungsbild orientierte sich optisch weitgehend am Serien-Roadster, sogar der Chromtrimm war bis auf die Stoßstangen vorhanden. Schließlich sollte doch gar nicht erst der Eindruck erweckt werden, hier einen speziell aufgebauten Werkswagen vor sich zu haben, der im Übrigen nicht bei den seriennahen „Standard Production Cars“, sondern bei den „Special Sports Cars“ antrat. Aber die die optische Nähe zur Serie war sicherlich wichtig für den Verkauf! Vorausgesetzt O'Shea konnte gewinnen! Zumindest sammelte er Punkte und wurde auch 1957 wieder Meister in seiner Klasse! Im gleichen Jahr beendete Mercedes sein Engagement im amerikanischen Rundstreckenrennsport und über die Jahre verlor sich die Spur der Originalautos.
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Kommentare: 2
Aktualisiert: Donnerstag, 09. Juli 2009
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Veteranenclub » Jörg aus Hildesheim (40)
Gerade die Optik, ohne Showroom-Lackierung, macht aus diesem Gefährt den richtigen Sportwagen. Hut ab vor dem Einsatz und natürlich Glckwunsch zu den aufgestöberten Teilen!
MfG Jörg
HerrLehmann » Richard aus Düsseldorf (62)
Für einen Klassiker sieht der aber ein bisschen schäbig aus!