AUTO DER WOCHE
Die besondere LeBenz-Art: Das zweite Leben eines Mercedes Oldtimers
Als Mercedes Tuning noch Customizing hieß: 1952er Mercedes 170 S Hot Rod
Von Rundungen und Kurven, insbesondere im Fensterbereich, die dank des fehlenden Blechs nun überhaupt nicht mehr zueinander passen, ganz zu schweigen. Änderungen ziehen weitere Änderungen nach sich. Für die originalen Scheibenwischer hatte Hugo Vervliet aufgrund der gekürzten Frontscheibe auch keine Verwendung mehr. Sie waren schlichtweg zu groß. Statt sie zu kürzen, griff Hugo ins MG Teileregal und fand dort etwas Passendes.
Mercedes Tuning mit Rover V8
Von Anfang an stand fest, dass der Benz-Rod auch über eine standesgemäße Motorisierung verfügen sollte. Der serienmäßige Vierzylinder ging dazu über Bord und machte einem 1965er 3,2 Liter Rover V8 Aggregat Platz. Der neue Motor durfte ohne seitliche Verkleidung Platz nehmen und brüllt seinen Zorn durch einen Eigenbau-Krümmer nebst Cherry Bomb Auspuffanlage ins Freie. „Disturbing the peace“ lautet das Motto dieses Abgasanlagenherstellers, wohl nicht ganz ohne Grund...
Mercedes Oldtimer im amerikanischen Hot Rod Style
Die vorderen Kotflügel wuchsen um sechs, die hinteren sogar um zehn Zentimeter in die Breite. Und das alles, um amerikanische Boyd-Felgen in 7 und 10 x 15 Zoll mitsamt 205/50, respektive 275/60er Bereifung eine angemessene Behausung zu gewährleisten. Durch den Größenunterschied der Gummis an Vorder- und Hinterachse sieht der Mercedes einem US Hot Rod sehr ähnlich.
Alte Handwerkskunst: Pinstriping
In der amerikanischen Custom-Szene wird viel Wert auf sauber ausgeführte, handwerklich knifflige Blecharbeiten gelegt. Dem durfte das belgische Duo natürlich in Nichts nachstehen. Gefrenchte, also in der Karosserie versenkte Rückleuchten im Dreierpaar, sowie die auf gleiche Art und Weise versenkten Antennen zeugen von Kunst am Blech. Stoßstangen und Türgriffe sucht man an Hugos Hot Rod natürlich ebenso vergeblich. Dafür zieren feine Pinstripings das Blech an verschiedenen Stellen.
Pannesamt fürs Mercedes Interieur
Das Interieur ist wahrlich nichts für zartbesaitete Gemüter. Hugo liess nämlich die kompletten Sitzgelegenheiten eines nicht näher benannten Toyotas aufarbeiten und in Lowrider-typischem, dunkelroten Samt beziehen. Der plüschige, glänzende Stoff legt sich sowohl um die Sitze als auch den Himmel und die Türverkleidungen. Soviel „Eye-Candy“ ist nicht jedermanns Sache, aber es wurde hier auf jeden Fall konsequent gearbeitet. Nur zur Erinnerung: Das Interieur hat bereits gute 25 Jahre auf dem Buckel – soviel also zur Qualität der Verarbeitung!!!
Mercedes Oldtimer on the road
Haben wir eingangs den Daily Driver erwähnt, den die Vervliets neben dem Hot Rod Projekt und dem liebevoll restaurierten Oldtimer besitzen? Nun, dies hier gezeigte Fahrzeug ist wohl ebenfalls einer. Seit seiner Fertigstellung haben Hugo und Daisy über 150.000 Kilometer mit dem Wagen zurückgelegt und dabei ganz Westeuropa durchquert. Mit einem puren Show Car wäre das nicht möglich gewesen. Ja, und ein neuer Motor ist bereits in Arbeit. Der alte ist schon ein wenig verbraucht. Dass der Rest des Autos locker noch einmal 150.000 übersteht, brauchen wir ja wohl nicht extra zu erwähnen? Es ist schließlich ein Mercedes.
Text: Igor Vucinic
Fotos: Thomas Frankenstein
GALERIE: EINZELSTÜCK: MERCEDES OLDTIMER ZUM CUSTOM UMGEBAUT
Mercedes-Fans Facts
1952er Mercedes Benz 170 S (W191)
Antrieb: 3,2 Liter Rover V8 mit Holley Vergasern, Eigenbau-Krümmer und Cherry Bomb Auspuffanlage
Fahrwerk: Einzelradaufhängung, Vorderachs-Scheibenbremsen vom Mercedes 220. Lenkung: Aus VW-, Ford- und Vauxhall-Teilen zusammengestellt
Räder: Boyds Felgen in 7x15 und 10x15 Zoll, vorne 205/50 R15 Semperit, hinten 275/60 R15 General Bereifung
Karosserie: Top Chop um 10 cm, Kotflügel vorne um 6cm, hinten um 10 cm verbreitert, keine Stoßstangen, Türgriffe entfernt, 2x drei Custom Rückleuchten, Antennen, Frontblinker und Rückleuchten gefrencht, Scheibenwischer vom MG TD
Innenraum: Neu aufgepolsterte und mit rotem Plüsch bezogene Toyota-Sitze, Billet Moon Lenkrad, Instrumente und Schalthebel von Rover
INFOS ZUM ARTIKEL
Kommentare: 2
Aktualisiert: Donnerstag, 21. Januar 2010
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SebastianNast » Sebastian aus Edemissen (44)
Jepp das ist wirklich ein sehr sehr cooles Customcar !!
Der ist ja in der Szene schon sehr lange bekannt, aber
schön hier jetzt mal ein paar mehr und gute Bilder
zu haben.
In dieser Art von Oldschool-Customscars auf
MB-Basis würde man sich wirklich einige mehr
wünschen !
Mit besten Sterngrüßen
Sebastian
Sterninator » Thomas aus Essen (52)
Respekt! Das ist echter Individualismus!