AUTO DER WOCHE
Einfach Un-G-heuerlich: AMG G55
30 Jahre und kein bisschen leise: der AMG G55 ist etwas für die harten Kerle unter den automobilen Romantikern.
Haben Sie Nachbarn? Wohl möglich sogar lärmempfindliche! Vergessen Sie's! Lesen Sie nicht weiter! Womöglich bringen wir Sie hier nur auf dumme Gedanken und am Ende stehen Sie zwar mit einem sensationellen Auto da – aber vielleicht auch ohne Nachbarn!
Der „G“, der in diesem Jahr seinen 30. G-burtstag feiert, ist ja an sich schon ein automobiles Fossil! Aber der AMG G55 – wenn man so viel die heiße Kiste - ist mehr als das. Der G55 ist ein Fossil vollgepumpt mit Amphetaminen, ein „Klassiker auf Speed“! Und das meinen wir gar nicht negativ! Vielmehr vereint der G55 in sich Eigenschaften (manche würden auch Tugenden sagen!), die man im modernen Automobilbau schon längst verschüttet glaubte.
Das betrifft nicht seine Form allein, auch nicht die schieren Leistungsdaten, es ist vielmehr die Kombination seiner raren Eigenschaften, die den AMG G55 zu einem Auto machen, das unumstößlich zu jenen Autos zählt, die man einmal im Leben gefahren haben muss. Besser noch de facto in der Garage haben sollte. Vorausgesetzt es strömt Benzin durch ihre Adern und Rock'n Roll hört bei Ihnen nicht nach Buddy Holly auf. Der G55 ist eher Metallica und „Nothing really matters“ seine Hymne, wenn der unausweichliche Besuch an der Tankstelle ansteht!
„Let's get loud!“ - Sidepipes gehören zum guten Ton!
Fangen wir einmal an beim Sound. Dezent durch die Stadt cruisen geht nicht. Der G rollt nicht, er grollt! Alle gucken, aber niemand böse! Manche zeigen sogar begeistert auf den silbernen Viertürer und sagen dann zu ihrer Begleiterin: „Ein G von AMG. Mindestens 300 PS!“ Na, wenn die wüssten....es sind 507 PS! Selbst den abgebrühten Tester lässt der Motorsound nicht kalt. Das akustische Klangbild, das die beiden noch vor den Hinterreifen mündenden Sipepipes raus pfeffern ist einfach nur grandios. Das ist V8 pur, nein das ist V8 mit Kompressor. Oder wie sagte ein anderer Tester-Kollege: „Der klingt so, wie eine Corvette eigentlich klingen sollte!“
Amerikanisches Muscle Car – gefangen im Körper eines deutschen Geländewagens
Und so fängt der Testalltag mit Gänsehaut an. Beim Anlassen des Treibsatzes wiegt sich der G einmal in der Längsachse in Drehrichtung der rotierenden Kurbelwelle. Die acht Zylinder nehmen bellend den Betrieb auf und schon der sanfteste Tritt auf's Gas wird in einen atemberaubenden Vortrieb umgesetzt. Was schätzen Sie von 0-100 km/h? 7 Sekunden? 6 Sekunden? Nein, nur 5,5 s verticken. Erst bei Tempo 210 wird elektronisch abgeregelt. Werte, die man bei einem reinrassigen Sportwagen erwartet und nicht bei einem Cross-Country-Kubus!
Das Beste: Sie müssen bei der Sprintorgie noch nicht einmal schalten. Aber das Lenkrad festhalten, weil ungeachtet aller elektronischen Traktionshelferchen die Bärenkräfte an allen vier 18“-Rädern zerren. Auf Nässe ist so eine „pedal-to-the-metal“-Beschleunigung nur was für Fortgeschrittene. Erst recht, wenn die Straße uneben ist. Die mit einem Sportfahrwerk bestückten Starrachsen hopsen über den Asphalt wie Wassertropfen über die zu heiße Herdplatte! Schrecklich? Nein, herrlich! Hier muss der Fahrer noch denken und beherzt in Holzlenkrad greifen! Es mag seltam klingen: im G55 AMG lebt der Spirit amerikanischer Muscle Cars!
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Kommentare: 5
Aktualisiert: Donnerstag, 14. Mai 2009
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MisterX » Norbert aus Hannover (43)
Toller Bericht! Thema genau rübergebracht! Ihre Seite gehört für mich zu den wenigen lesenswerten im Internet! Bin gespannt auf Ihr nächstes "Auto der Woche!"! Und bleiben Sie bitte scharfkantig!
HerrLehmann » Richard aus Düsseldorf (61)
Ein Freund von mir hat einen normen G500 und ist auch begeistert. Mir allerdings iist er etwas zu unbequem.
R.evo » Rouven aus Süddeutschland (32)
Ein richtig geiles Gefaehrt mit einer in dieser Gewichtsklasse wahrlich katapulthaften Beschleunigung.
Es mach immer wieder Spass so einen Wagen zu fahren.
Mercedes-Fans.de » Redaktion aus Essen (41)
Eigentlich wollten wir den G55 AMG am Ende der Testphase eingraben, mit Stroh überdecken und hoffen, dass er so vergessen werde würde. Das war ein Auto, das wir nur sehr ungern hergegeben haben!
biggibenz » Birgit aus Stuttgart (41)
Eine schöne Geschichte über den großen Bruder meines Lieblingsautos!